Wie der Spargel nach Walbeck kam
Schon die alten Ägypter ließen sich den Spargel schmecken. Seit vielen tausend Jahren wird er bereits in den Mittelmeerländern angebaut und nicht nur von Kaisern und Königen mit Lobliedern besungen. In Deutschland, wo der Spargel früher nur wild wuchs, nahm sich im 16. Jahrhundert der Arzt Johann Casimir, Leibarzt des Pfalzgrafen von Rhein, dem Spargel an und erntete die ersten gezähmten Stangen.
Nach Walbeck kam der Spargel aber erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als der aus dem Weltkrieg heimgekehrte Major Dr. Walter Klein-Walbeck die Idee vom Spargelanbau in seine alte Heimat mitbrachte. Eigentlich wollte der Major nach dem verlorenen Krieg als Botschafter nach Washington gehen, doch seiner romantischen Frau zuliebe, die mit aller Macht und viel Vermögen Schlossherrin sein wollte, sanierte er das Schloss Walbeck und bezog es mit seiner Familie.
1923 schmolz durch die Inflation der Reichtum und die rettende Idee vor dem Ruin war der Anbau des damals sehr kostspieligen Gemüses Spargel. In Belgien und Holland hatte der Major einiges über den Spargelanbau erfahren. Nun versuchte er diese Erkenntnisse auf seinen eigenen Walbecker Ländereien mit neuen Dünge-, Ernte- und nicht zuletzt auch Absatzmethoden umzusetzen. Zunächst misstrauisch sahen die Walbecker zu, schließlich hatten die Bauern hier bereits über Jahrhunderte versucht, ihren mageren Sandböden lohnende Erträge abzuringen.
Doch erst der später auch „Spargel-Major“ genannte Dr. Klein-Walbeck schaffte mit dem Kunststück, auf den Feldern vor seinem Schloss das edle Gemüse anzubauen, den Durchbruch. Bald erkannten die Walbecker, dass gerade ihre Sandböden, Reste einer vor Millionen Jahren angeschwemmten Sanddüne, sich ideal zum Anbau von Spargel eignen.
Bereits 1929 gründeten sie auf Anregung des Majors eine Spargelbaugenossenschaft und der Walbecker Spargel genoss bald einen exzellenten Ruf im gesamten Rheinland.
Schon bald erzielten die Spargelanbauer vom Niederrhein trotz der großen Konkurrenz aus den Spargelhochburgen Schwetzingen und Braunschweig dank einer besonderen Qualitätsauslese die höchsten Spargelpreise in Deutschland. Und schnell wurde das ehemalige stille Dorf in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen und gastronomischen Interesses gerückt. Kulinarische Köstlichkeiten rund um den Spargel und die Bilderbuch-Idylle gleich vor der Haustür lockten die Gäste aus der Umgebung und aus dem Ruhrgebiet. Sie alle wollten das Edelgemüse vor Ort frisch vom Feld genießen.
Nach dem 2. Weltkrieg verboten die Engländer zwar kurzzeitig den „Luxus“ des Spargels und damit auch dessen Anbau, doch mit dem Aufblühen des Wirtschaftswunders prägten auch bald wieder die Spargelfelder um Walbeck herum das Bild und das „Weiße Gold vom Niederrhein“ setzte seinen Siegeszug bis heute fort.
