Schloss Walbeck
Schloss Walbeck, mit dem um einen schmalen Binnenhof auf fast quadratischem Grundriss errichteten Herrenhaus (noch 16. Jhd.), war mit den hufeisenförmig angelegten Wirtschaftsgebäuden der Vorburg früher von breiten Wassergräben umgeben. Zwischen den vier Rundtürmchen an den Ecken der Wasserburg verlief im Dachraum der ehemalige Wehrgang, verstärkt durch den früher an einer Ecke vorgebauten vierkantigen Torturm, zu dem die Zugbrücke führte. Die ehemaligen Mauereinschnitte der Zinnen sind noch von außen sichtbar, aber mit Holzblenden verschlossen. Dicht an der Grenze gelegen, zeigt dieses „Kastell“ starken niederländischen Einschlag.
1346
wurde Heinrich Schenk von Nideggen als erster Besitzer genannt, der durch seine Gattin Aleid von Rayde, der Erbtochter von Walbeck, in den Besitz der Herrlichkeit kam. Die Schenken von Nideggen stammten von dem gleichnamigen Schloss in der Eifel und versahen das Amt des Mundschenken beim Grafen von Jülich. Ihr Name wurde besonders bekannt durch den berühmten Söldnerführer Obrist Martin Schenk von Nideggen, dem Abkömmling einer Nebenlinie der Familie.
1403
erhielten Ritter Heinrichs Söhne, Winand und Heinrich, je zur Hälfte die Herrlichkeit Walbeck, die jedoch kurze Zeit später durch Kauf ganz an Heinrich fiel.
1452
teilten dessen Söhne, Dietrich und Johann, wieder das Erbe, wobei Dietrich u.a. die halbe Herrlichkeit Walbeck, den später Steprath benannten Teil, erhielt und Johann die andere Hälfte mit dem heutigen Schloss Walbeck erbte. Johann Schenk von Nideggen, dem Tatkraft, Ansehen und Reichtum von der Geschichtsschreibung bestätigt wurde, kämpfte 1468 in der Schlacht bei Straelen auf der Seite des Herzogs von Geldern gegen Johann, Herzog von Kleve.
1491
fiel seinem Sohn Otto Schenk von Nideggen, Drost zu Wachtendonk und Geldern, die halbe Herrlichkeit Walbeck zu. Ritter Otto starb am 14. April 1518 und liegt in der Pfarrkirche zu Wachtendonk begraben.
1518
übernahm sein Sohn, Heinrich Schenk von Nideggen, die halbe Herrlichkeit Walbeck.
1530
geht der Besitz an dessen Tochter, Irmgard Schenk von Nideggen über, die mit Adrian Heinrich von dem Byland, Gouverneur zu Heinsberg, verheiratet war.
1594
starb beider Sohn Bertram, inzwischen Herr von Walbeck, im Duell.
1620
hinterließ sein Sohn Heinrich seiner Tochter Sophia den Rittersitz mit der halben Herrlichkeit Walbeck. Ihr Mann, Thomas von Gramay, fiel 12 Jahre später.
1784
gingen die Besitzungen an den jüngeren Bruder, den Offizier Cornelius Franziskus Johann von Bönninghausen über, der nach kinderloser Ehe
als Letzter dieser von Bönninghausen‘schen Linie 1802 in Walbeck starb.
1808
verkauften die Erben den Besitz für 72.000 Franken an den Kriegs- und Domänenrat Gerhard Freidrich von Ammon.
1836
brannte Schloss Walbeck durch Blitzschlag zum Teil ab, wurde jedoch alsbald unter Verzicht auf ein Stockwerk in der heutigen Form wieder aufgebaut.
1846
starb von Ammon und vermachte den Besitz seinen 13 Neffen und Nichten, die das Schloss und die umfangreichen Liegenschaften…
1857
… parzelliert verkauften und das wertvolle Mobiliar sowie das Schlossarchiv nach Berlin überführten, wo es am Ende des letzten Krieges total vernichtet wurde. In der Zeit bis 1904 wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer.
1904
wurde es vom Landgerichtspräsident Jakob Klein aus Köln erworben, der seinen Namen nach dem „Rittergut Walbeck“ in „Klein-Walbeck“ ändern ließ. Dieser vererbte den Besitz seinem Sohn, Dr. jur. Walther Klein-Walbeck, Offizier im großen Generalstab des Kaiserreiches und Begründer des Walbecker Spargelanbaus (1927), wofür ihm von der Gemeinde ein Denkmal gesetzt wurde.
1944
wurde das Schloss vor den anrückenden angloamerikanischen Truppen geräumt, die dort vorübergehend ihr Hauptquartier einrichten. Nach Einrichtung des Niemandslandes zwischen Holland und Deutschland, musste das Schloss leer und offen bleiben, bis es…
1947
… als Erholungsheim für Bergarbeiter an die Zeche Diergardt-Mevissen in Rheinhausen verpachtet wurde, bis…
1955
diese Pachtung vom „Christlichen Jugendorfwerk Deutschland“ abgelöst wurde, das dort seitdem Bildungsarbeit für Jugendliche und Erwachsene anbietet.
1971/72
wurde das Haus der dritten und umfassendsten Renovierung innerhalb von 25 Jahren unterzogen.
